Sicherheitsbehörden in Berlin erklären, Linksextremisten hätten seit Tagen Fotos und Videos von Gewalt in Frankreich in sozialen Netzwerken geteilt, um Unruhen in Deutschland anzustacheln. Fachleute der Sicherheitsdienste gehen davon aus, die Gruppen wollten die Halloween-Feiern an diesem Samstag für Proteste und sehr wahrscheinlich für groß angelegte Angriffe auf Geschäfte und die Polizei nutzen.
Ein namentlich nicht genannter Beamter des polizeilichen Staatsschutzes sagte gegenüber Bild, die vergangenen Wochen hätten bereits gezielte Angriffe auf Polizeibeamte durch junge Menschen mit Migrationshintergrund gebracht. Beamte seien durch falsche Notrufe in Fallen gelockt worden. Als sie einen dunklen Park oder eine menschenleere Ecke erreicht hätten, seien Barrikaden errichtet gewesen. Angreifer hätten sie mit Pyrotechnik und Steinen attackiert und seien anschließend auf E-Scootern geflohen.
Die Behörden vermuten, dies könne zu einem Muster für die Halloween-Proteste werden. Ein Lagebericht des Innenministeriums von Nordrhein-Westfalen bewertet eine engere Zusammenarbeit zwischen Linksextremisten und Islamisten als besonders besorgniserregend und führt aus, die Gruppen seien im Zusammenhang mit dem Nahostkonflikt zusammengekommen. Darin heißt es, kommunistische Jugend- und Kaderorganisationen hätten mit Anhängern der islamistischen Hamas demonstriert. Eine besondere Rolle komme der Roten Jugend zu, einer linksextremen Organisation, die seit drei Jahren häufiger als hochgradig gewaltbereite Gruppe bei Demonstrationen in Erscheinung getreten sei, insbesondere bei Protesten gegen die AfD und bei Angriffen auf Polizeibeamte.
Nach Angaben des nordrhein-westfälischen Verfassungsschutzes treten die Gruppen in der Regel als geschlossene Blöcke mit kommunistischen Symbolen auf, etwa roten Fahnen, Hammer und Sichel sowie von allen getragenen roten Sturmhauben. Eine Parole besage, nur die Massen, die zum Gewehr griffen, würden den Sozialismus schaffen.
Der nordrhein-westfälische Innenminister Herbert Reul (CDU) sagte gegenüber Bild, die Gewaltbereitschaft im Linksextremismus habe deutlich zugenommen. Die Taten würden brutaler, professioneller und persönlicher, und Kollateralschäden würden im Namen eines vermeintlich höheren Ziels in Kauf genommen. Er bezeichnete die Bewegung als Gefahr.
Sein Amtskollege in Baden-Württemberg, Manuel Hagel, ebenfalls von der CDU, warnte im Vorfeld der für Samstag geplanten Störungen, die Behörden würden dort konsequent einschreiten, wo es Gewalt gebe. Er appellierte an alle, die am 31. Oktober im Land auf die Straße gehen wollten, und sagte, Menschen, die auf legitime Probleme aufmerksam machten, würden gehört. Ausschreitungen seien kein Jugendprotest, und die Bilder aus Frankreich seien kein Vorbild. In Baden-Württemberg könne Protest laut, aber friedlich sein. Halloween sei ein Fest zum Verkleiden, und friedlicher Protest werde nicht als Deckmantel für Gewalt und Zerstörung zugelassen.